Geplanter Zuchtversuch beim Toller
Aufgrund der dramatischen gesundheitlichen und genetischen Situation beim Toller möchte unser Verein den wissenschaftlichen Rat befolgen und eine fremde Rasse einkreuzen.
Hintergrund:
- die Rasse leidet unter massivem Genverlust und die Toller sind untereinander näher verwandt als Vollgeschwister!
- die gesamte Population ist mit erheblichen Autoimmunerkrankungen belastet!
- der Toller wird nach Aussage von Zoologen, Biologen und Genetikern in absehbarer Zeit aussterben, sofern kein neues Genmaterial (durch Einkreuzung einer fremden Rasse) zugeführt wird!
- die Reinzucht des Tollers stellt nach Meinung von Fachtierärzten und nach Ansicht verschiedener Ministerien (Ref. Tierschutz) einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar!
(weitere Daten und Fakten sind unten auf dieser Seite aufgeführt)
Wir haben deswegen bei unserem Dachverband einen Antrag auf Einkreuzung gestellt und die Notwendigkeit mit mehreren Studien und Gutachten untermauert.
Der VDH hat unseren Antrag auf Einkreuzung (vorerst?) nicht genehmigt. So werden beispielsweise weitere Daten gefordert. Für unseren Verein, als auch für die von uns befragten Experten (Fachtierärzte, Zoologen, Biologen, Ministerien etc.) ist dies absolut unverständlich!
Die vom VDH aufgeführten Argumente und Forderungen sind aus wissenschaftlich-kynologischer Sicht haltlos und werden von Experten unter dem Aspekt des Tier- und Verbraucherschutzes als unverantwortlich gewertet!
Wir haben nach der VDH-Rückmeldung zahlreiche Experten kontaktiert.
In Anbetracht der wissenschaftlichen Studien und den zahlreichen Stellungnahmen erfüllt die Reinzucht des Tollers eindeutig den Tatbestand der Qualzucht gemäß § 11b des Tierschutzgesetzes.
Der Konsens der Fachleute ist, dass unsere Toller in absehbarer Zeit aussterben werden, wenn kein Genfluss durch Einkreuzung erfolgt. Defekte und Krankheiten werden immer stärker zunehmen.
Wir werden die Entscheidung unseres Dachverbandes so nicht hinnehmen und haben einen erneuten Antrag auf Einkreuzung gestellt, den wir hier veröffentlichen möchten.
Auszüge des erneuten Antrags auf Einkreuzung an den VDH
Stellungnahme zum Schreiben von Frau Dr. H. Eichelberg (vom
03.05.2010) und erneuter Antrag auf Zuchtversuch
beim Nova Scotia Duck Tolling Retriever
Sehr geehrte Damen und Herren!
Wie aus dem Schreiben von Frau Dr. H. Eichelberg (03.05.2010) hervorgeht, wurde unser Antrag auf Einkreuzung vom 25.01.2010 leider nicht genehmigt. Diese Entscheidung ist für unseren Verein nicht nachvollziehbar. Die Argumentation und die Forderungen des VDH erachten wir aus wissenschaftlich-kynologischen Aspekten für nicht haltbar und unter dem Aspekt des Tier- und Verbraucherschutzes für unverantwortlich! Wir möchten wie folgt zu dem VDH-Schreiben Stellung beziehen:
Auf unsere Rasse bezogen, gibt es aktuelle wissenschaftliche Studien, die sich mit der genetischen und gesundheitlichen Situation auseinandersetzen. Die Erkenntnisse daraus sind alarmierend und sollten zum Handeln veranlassen! Darüber hinaus liegen 3 Gutachten sowie zahlreiche Stellungnahmen von Experten vor, die ebenfalls eindeutig sind und dringend zur Einkreuzung fremder Rassen raten, um die gesundheitliche und genetische Situation beim Toller zu verbessern. Die Situation ist dramatisch – es geht um den Erhalt unserer Rasse!
Der Toller wird nicht so isoliert gezüchtet, dass im einen Land oder
anderen Land (und in dieser oder jenen Linie) ein spezielles
Gesundheitsproblem auftaucht. Die Studie von Mäki hat die weltweite
Population erfasst, die Studie von Wilbe kann sicherlich als
repräsentativ angesehen werden. Diese Arbeiten sind fundierter und
aussagekräftiger als irgendeine Datensammlung eines Zuchtvereins.
Außerdem sind sie weitaus eher als repräsentativ zu betrachten als
Datenerhebungen aus Deutschland. Was die vom VDH geforderte Berechnung
von Inzuchtkoeffizienten angeht, so hat Mäki doch bereits alle Arbeit
geleistet. Darüber hinaus ist es nicht zielführend (und auch nicht
notwendig), wenn wir für unsere kleine Population eine Berechnung auf 5
oder 6 Generationen zwecks Datenanalyse durchführen.
Das was wir anstreben ist ein Zuchtversuch gemäß dem Konzept einer
Veredelungskreuzung. Von daher ist eine internationale Ausrichtung (auch
insbesondere in den Anfängen im Rahmen des Zuchtversuches) nicht
unbedingt erforderlich. Wir verweisen an dieser Stelle auf die
Ausführungen von Prof. Sommerfeld-Stur (s. Stellungnahme vom 04.01.2010 /
11.05.2010). Außerdem sind wir verpflichtet, nach deutscher
Rechtsgrundlage Tiere zu züchten. Unter diesem Gesichtspunkt darf es uns
nur bedingt interessieren, ob andere Toller-betreuende Vereine sich
ebenfalls für eine Einkreuzung entscheiden.
Das was Sie von uns fordern ist nicht notwendig, ja sogar
unverantwortlich. Unverantwortlich gegenüber den Hunden als auch
gegenüber den Welpenkäufern. Die unberechtigte Forderung des VDH, zwecks
Kenntnisgewinnung und Analyse weiter Daten zu sammeln (was mit großer
Wahrscheinlichkeit zahlreiche kranke Nachkommen zur Folge hat), könnte
nach dem Tierschutzgesetz u.U. als Tierversuch gewertet werden.
In Anbetracht der wissenschaftlichen Studien und den zahlreichen
Stellungnahmen erfüllt die Reinzucht des Tollers eindeutig den
Tatbestand der Qualzucht gemäß § 11b des Tierschutzgesetzes.
Prof. Sommerfeld-Stur (s. Stellungnahme 11.05.2010) zu dem
Aspekt Reinzucht des Tollers vs. Tierschutzgesetz/Qualzucht:
“Die Verweigerung der Zustimmung von Einkreuzungen durch den VDH kommt
somit genau genommen einem verbandsinternen Zuchtverbot für die Rasse
gleich, da bei Reinzuchtwürfen mit einer großen Wahrscheinlichkeit damit
gerechnet werden muss dass bei den Nachkommen gesundheitliche Probleme
auftreten und das wiederum einen klaren Verstoß gegen das
Tierschutzgesetz (Par 11b, Abs. 1) darstellt. Zudem würde ein Züchter
damit nicht nur gegen das Qualzuchtverbot verstoßen, er würde auch ein
unverhältnismäßig hohes finanzielles Risiko eingehen, da er im Sinne der
Produkthaftung für gesundheitliche Probleme, die bei den Nachkommen aus
seinen Würfen auftreten, aufkommen müsste.”
Da es um den Erhalt der Rasse und um die Beachtung des deutschen Tierschutzgesetzes geht, haben wir Kontakt mit weiteren Experten aufgenommen, denen wir die wissenschaftlichen Studien und die Gutachten vorgelegt haben. Die Statements möchten wir Ihnen (auszugsweise) weiterleiten:
„Bei einer derartigen genetischen Verarmung, die obendrein noch mit
dem gehäuften Auftreten von genetisch bedingten Erkrankungen einhergeht,
ist die Einbringung von genetischer Variabilität dringend geboten. Bei
allen züchterischen Erwägungen um den Erhalt der Rassestandards muss das
Wohl der Hunde eindeutig im Vordergrund stehen.“
Dr. Pfenninger (Evolutionsbiologe & Populationsgenetiker) –
Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Goethe-Universität
Frankfurt/Main
„Sie haben sehr interessante und fundierte Gutachten erhalten. Ich
bin kein Genetiker, aber die Vorschläge der Experten scheinen sinnvoll
zu sein und sollten befolgt werden.“
Kohn, Barbara, Prof. Dr. Med. Vet. Dipl. ECVIM-CA, Fachtierarzt
für Kleintiere (Fachbereich Veterinärmedizin / Klinik und Poliklinik für
kleine Haustiere, Freie Universität Berlin) – Mitglied im
veterinärmedizinischen Beirat des TCD
TCD e.V.: „Was halten Sie von der Idee der Einkreuzung einer fremden
Rasse in einem Projekt, das wissenschaftlich begleitet wird?“
„Das haben die Genetiker, die darin spezialisiert sind, deutlich zum
Ausdruck gebracht. Ich kann da nichts hinzufügen.“
Tipold, Andrea, Prof. Dr. med. vet. Dipl.ECVN, Fachtierärztin für
Veterinärneurologie
(Klinik für Kleintiere, Fachbereich Neurologie, Tierärztliche Hochschule
Hannover) Mitglied im veterinärmedizinischen Beirat des TCD
„Es bleibt Ihnen wohl nichts anderes übrig (…) eine Einkreuzung
anderer Hunde ist unausweichlich.“
Dr. S. T. Hertwig, Zoologe, Natural History Museum Bern
Vertebrate Animals Department, Head Curator
„Die Hinweise der von Ihnen zitierten Sachverständigen scheinen mir
alarmierend zu sein.“
Bundestierärztekammer
„(…) so dass ich keine weitere Stellungnahmen abgeben könnte, die
über das bereits gesagte hinaus geht; die theoretischen
Wissensgrundlagen sind z.B. in der von Frau Prof. Sommerfeld-Stur
verfassten Stellungnahme aus meiner Sicht erschöpfend dargestellt.“
Prof. Dr. Bruno Streit, Institut für Ökologie, Evolution und
Diversität, Goethe-Universität Frankfurt am Main
“It sounds to me that outcrossing is your only answer.”
Prof. Patrick Bateson, Department of Zoology, University of
Cambridge
„Wenn diese Studie nicht einen mächtigen Anstoß zur unbedingt
nötigen Einkreuzungen gibt, ist dieser Rassehund nicht mehr zu retten.
Ich möchte zur Thematik noch bemerken, dass endloses Zuwarten bei
eindeutiger Sachlage bei kritischer Betrachtung sowohl gegenüber der
Rasse an Qualzucht angrenzt (weil die Problematik nur größer werden
kann), als auch die Verpflichtung zur Qualität gegenüber den Abnehmern
der Welpen außer Acht lässt.“
Dipl.Ing. Dr. rer.nat.tech. Hellmuth Wachtel, Mitglied im
veterinärmedizinischen Beirat des TCD
„Um die genetische Vielfalt wieder zu verbessern, komme ich in
meiner Studie zu dem Ergebnis, dass Einkreuzungen dringend notwendig
sind.“
Dr. Katariina Mäki, Executive manager, Society for Canine
Genetic Health and Ethics Member, Scientific Breeding Commission of The
Finnish Kennel Club, Mitglied im veterinärmedizinischen Beirat des TCD
„Die einzige wirklich zielführende Möglichkeit die Rasse zu erhalten
und die gesundheitliche Problematik in den Griff zu bekommen liegt hier
in einer Erweiterung der genetischen Varianz durch Immigration. Da die
von MÄKI (2009) durchgeführte Studie die gesamte weltweite Population
von NSDTR umfasst hat erscheint eine Immigration innerhalb der Rasse
nicht zielführend. Als Immigrationspartner müssten somit Tiere aus
fremden Rassen in Betracht gezogen werden.“
Univ.Prof.Dr.Irene Sommerfeld-Stur, Institut f. Tierzucht und
Genetik, Vet.-med. Universität Wien, Mitglied im veterinärmedizinischen
Beirat des TCD
„Ich habe die Beiträge zur Analyse der Ursachen für die
gesundheitlichen Probleme des NSDTR mit großem Interesse gelesen und
teile auf der Grundlage dieser Informationen Ihre Auffassung, dass ein
Zuchtversuch ein sinnvoller Ansatz ist, um der Häufung gesundheitlicher
Probleme beim Nova Scotia Duck Tolling Retriever als Folge geringer
genetischer Variabilität zu begegnen. Ich denke, dass es Anliegen jeder
Rassehundezucht ist und sein muss, dass gesunde Welpen geboren werden.
Das ist auch gesetzgeberisch aus dem Staatsziel Tierschutz abzuleiten.
Wenn dieses wichtige Ziel über eine Erweiterung der genetischen Basis
durch zeitweise Einkreuzung einer anderen Rasse erreichbar ist, sollte
dieser Weg konsequent gegangen werden, denn es geht dabei ja auch um den
Ruf dieser so interessanten Rasse, der nicht weiter verspielt werden
darf. (…) Das wäre im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs mit
dieser Rasse und die Erfüllung des Tierschutzes als Staatsziel.“
Dr. Kirsten Tackmann (MdB), Agrarpolitische Sprecherin
(Tierärztin), Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
„Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch bio- und
genetische Verfahren zu verändern, wenn bei der Nachzucht oder bei den
bio- und genetisch veränderten Tieren selbst und deren nachkommen
aufgrund vererbter Merkmale mit Leiden, Schmerzen oder Schäden zu
rechnen ist.“
CDU-Bundesgeschäftsstelle
„Vielen Dank für die mir zur Einsicht übermittelten Unterlagen. –
Nach deren Lektüre komme ich zu dem Schluss, dass tierschutzrechtlich
“das Kind bereits in den Brunnen gefallen” ist.“
Prof. Dr. Jörg Luy M.A., Fachtierarzt für Tierschutz, Institut
für Tierschutz und Tierverhalten, FB Veterinärmedizin / FU Berlin
„Meine persönliche Einschätzung zum Einkreuzungsprojekt beim NSDT
Retriever aus wissenschaftlicher Sicht (mein Forschungsschwerpunkt ist
Populationsgenetik, Evolution und Ökologie).
Die Studie von Katarina Mäki ist in einer anerkannten Fachzeitschrift
„Journal of Animal Breeding and Genetics“ erschienen. Der Inhalt und die
Interpretation der Studie ist wissenschaftlich abgesichert,
weiterführende Details kann man in den Zitaten nachlesen. Ich stimme
allen Schlussfolgerungen im Statement von Frau Mäki zu.
Die Datenbasis ihrer Studie umfasste ca. 30 000 Individuen, die aus
allen weltweit registrierten Zuchtpopulationen stammen und ist somit
repräsentativ für den gesamten Genpool dieser Rasse. Trotz der hohen
Individuenzahl ist die effektive Populationsgröße winzig (<20). Die
effektive Populationsgröße ist entscheidend für die
Überlebenswahrscheinlichkeit einer Population. Bei derart niedrigen
Werten sagen populationsgenetische Modelle vorher, dass diese Hunderasse
in absehbarer Zeit aussterben wird, wenn kein Genfluss von außen
erlaubt ist. Defekte und Letalität werden immer stärker zunehmen. Dieser
Prozess ist nicht umkehrbar.
Gründlich gelesen habe ich auch die zusammenfassende Stellungnahme von
Frau Sommerfeld-Stur. Ich stimme in allen wesentlichen Punkten zu, ohne
Genfluss von außen (=Einkreuzung bzw. Immigration) ist der Fortbestand
dieser Rasse extrem gefährdet.
Eine Anmerkung zum Schluss: Da es keinen anderen Ausweg als Einkreuzung
gibt, müssen Züchter und Käufer akzeptieren, dass strikte
„Reinrassigkeit“ langfristig unmöglich ist.“
Zoologin
Hier auch ein Zitat von Frau Dr. H. Eichelberg aus dem Buch „Hundezucht“:
„Genetische Belastungen, die über 5% hinausgehen, nähern sich
fraglos einem alarmierenden Bereich.“ (S. 70)
Die genetischen Belastungen sind beim Toller weitaus höher!
„Steckt eine Rasse wirklich in einer züchterischen Sackgasse, müssen
die Zuchtverantwortlichen mit dem berechtigten Vorwurf leben, dass dies
das Ergebnis einer langen Kette von Fehlplanungen bzw. züchterischer
Planungslosigkeit ist. Der ausweglose Zustand einer Rasse bricht nicht
über Nacht ein, er bahnt sich an. Wer darauf nicht reagiert, handelt
verantwortungslos.“ (S. 73)
Beim Toller ist es bereits 5 nach 12! Zuchtmaßnahmen innerhalb der
geschlossenen Population sind nicht zielführend, eine Einkreuzung ist
die einzige Möglichkeit, die Rasse künftig unter tierschutzrechtlichen
Bedingungen zu züchten und zu erhalten. Wenn der VDH als Dachverband die
Einkreuzung nicht genehmigt, erfüllt er das im Zitat Beschriebene.
An dieser Stelle möchten wir nochmal betonen, dass die Reaktion des VDH für uns als auch für zahlreiche Fachleute unverständlich und nicht akzeptabel ist!
Unser Verein hat sich mit diesem speziellen Fall auch insbesondere nach dem VDH-Schreiben vom 3. Mai an die zuständigen Landesministerien (Ref. Tierschutz), das Bundesministerium (Ref. Tierschutz), Tierschutzorganisationen, die Tierschutzbeiräte der Länder, an die Presse und an die Politik gerichtet. Im Sommer wird es speziell über diesen Fall und dessen Entwicklung eine ausführliche Berichterstattung in einer renommierten Hundezeitschrift geben. Mehrere Redaktionen zeigten sich an diesem Thema sehr interessiert. Unser Verein wird diese Form der Öffentlichkeitsarbeit nutzen – und zwar mit einer offenen, transparenten, und wissenschaftlich fundierten Darstellung.
Auch die Politik zeigt sich an der Situation und der Entwicklung interessiert. Verschiedene Parteien haben bereits parlamentarische Initiative ergriffen und konkrete Anfragen bei der Bundesregierung gestellt.
Die im Folgenden zitierten Auszüge der Rückmeldungen verschiedener Landesministerien (Ref. Tierschutz) sollten zu Denken geben:
„Aus meiner persönlichen Sicht ist die Position des VdH nicht
nachvollziehbar.
Als Alternativen zur Verbreiterung der genetischen Basis bleibt
angesichts der geschilderten Lage eigentlich nur, die Rasse zu Grabe zu
tragen oder einen (möglichst wissenschaftlich begleiteten)
Rettungsversuch außerhalb des VdH zu unternehmen. Eine Weiterzucht ohne
wesentliche Verbesserung der genetischen Basis erscheint unter dem
Gesichtspunkt des Tierschutzes angesichts des Ausmaßes der Inzucht und
der geschilderten gesundheitlichen Probleme unverantwortlich.“
„Wir haben die Gutachten mit Interesse gelesen und begrüßen Ihre
Absicht, den Genpool des NSDT durch eine gezielte Einkreuzung von Hunden
anderer Rassen zu erweitern.
Ich kann mir vorstellen, dass Ihnen diese Entscheidung nicht leicht
gefallen ist und dass die Züchter des NSDT diesen Schritt ggf. nicht
immer befürworten. Dass die Gesundheit der Hunde bei einer
verantwortungsvollen Zucht immer im Vordergrund stehen sollte, ist aber
sicher bei den Züchtern des NSDT unstrittig. Auch das Tierschutzgesetz
verbietet die Zucht von Wirbeltieren, wenn damit gerechnet werden muss,
dass bei den Nachkommen zuchtbedingt Schmerzen, Leiden oder Schäden
auftreten. Da offenbar keine anderen Möglichkeiten bestehen, die in den
Gutachten angesprochenen Defekte zu vermeiden, sollte im Sinne der Hunde
(und der zukünftigen Welpenkäufer) die geplante Einkreuzung von Hunden
anderer Rassen versucht werden.“
„Vielen Dank für Ihre ausführliche Darstellung der Inzuchtprobleme Ihrer Rasse. (…) bin ich über die Haltung des VDH erstaunt; sie stellt – wie auch Frau Professor Sommerfeld-Stur festgestellt hat – ein faktisches Zuchtverbot dar.“
Mittlerweile liegen uns, diesen Fall betreffend, weitere Gutachten/Stellungnahmen von Universitätskliniken und Fachtierärzten zur Situation und zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes vor. Abhängig von der weiteren Entwicklung werden wir die Durchsetzung eines Qualzuchtverbotes im Sinne des Tierschutzes, dem sich eigentlich auch der VDH verschrieben hat, anstreben und unterstützen.
Mit Verweis auf das dringend notwendige Einkreuzungsprojekt möchten wir folgendes Zitat aus dem “Gutachten zur Auslegung von § 11 b des Tierschutzgesetzes (Verbot von Qualzüchtungen)” aufführen: „Man kann eine Tierart oder Rasse züchterisch nur richtig betreuen, wenn man die Grundzüge der Genetik einschließlich der Populationsgenetik kennt und anzuwenden bereit ist.“
In diesem Sinne kann man unserer Rasse nur das Beste wünschen!
Wir stellen hiermit einen erneuten Antrag auf Zuchtversuch wie in unserem Schreiben vom 25.01.2010 / 18.03.2010 dargelegt.
Mit freundlichen Grüßen,
die Vorstandschaft des TCD e.V.
Alexander Däuber
1. Vorsitzender
Vorsitzender der Zuchtkommission
Stellungnahme Prof. Sommerfeld-Stur nach VDH-Rückmeldung
Stellungnahme Prof. Sommerfeld-Stur
Deutscher Tierschutzbund e.V.
Deutscher Tierschutzbund e.V.
Auch folgende namhafte Experten befürworten das Einkreuzungsprojekt: Prof. Leeb & Dr. Calboli
Im August 2010 haben auch die renommierten Genetiker Prof. Leeb und Dr. Calboli eine Stellungnahme zum Einkreuzungsprojekt abgegeben. Dr. Calboli hat 2008 eine populationsgenetische wissenschaftliche Studie (“Population structure and inbreeding from pedigree analysis of purebred dogs.”) verfasst und gilt daher als absoluter Experte auf diesem Fachgebiet.
Beide Stellungnahmen möchten wir an dieser Stelle veröffentlichen:
“Die Toller weisen einen relativ hohen Inzuchtgrad auf. Eine Einkreuzung von phänotypisch passenden Hunden (gleiche Größe, ähnliches Temperament) würde die genetische Basis der Toller verbreitern. Idealerweise sollte man dazu ggf. relativ alte, vitale Hunde nehmen, um das Risiko neuer genetische Probleme wenigstens zu minimieren.
Ich halte daher eine begrenzte Einkreuzung, wie z.B. die 8 von Herrn Däuber vorgeschlagenen Paarungen im Rahmen eines Zuchtversuchs für eine sinnvolle Maßnahme, über die ernsthaft nachgedacht werden sollte.
Selbstverständlich müssen auch alle weniger radikalen Massnahmen zum Erhalt der genetischen Diversität getroffen werden (gleichmässiger Einsatz der Zuchttiere, Deckbeschränkungen für Rüden, ggf. optimierte Zuchtplanung zum Erhalt der Diversität).”
Prof. Dr. Tosso Leeb, Institut für Genetik, Universität Bern
“Bezüglich des Nova Scotia Duck Tolling Retrievers (NSDTR) bestehen klare Hinweise (Wilbe et al. 2009; Mäki 2010), dass die Rasse durch einen schwerwiegenden genetischen Flaschenhals geht, was zu einer Zunahme von Erbkrankheiten führt.
Beim NSDTR besteht das Risiko einer Anhäufung von Erbkrankheiten bis hin zum Aussterben, sollte die Weiterzucht im geschlossenen Genpool fortgeführt werden. Gegen das Auskreuzen können kaum vernünftige Argumente vorgebracht werden, vor allem nicht gegen ein Zuchtprogramm, das regelmäßiges Auskreuzen und Selektion zur Sicherung von Gesundheit und Leistung/ Fitness der Hunde vorsieht. Die viktorianische Vorstellung der „Reinrassigkeit“ sollte zu Gunsten eines modernen empirisch-wissenschaftlichen Verständnisses aufgegeben werden.”
Dr. Federico C. F. Calboli, Department of Epidemiology and Biostatistics, Imperial College, London
Es liegen mittlerweile über 20 Stellungnahmen/ Gutachten von namhaften Genetikern, Evolutionsbiologen, Zoologen, Wissenschaftlern usw. vor, die das Einkrezungsprojekt befürworten und unterstützen! "Nur" unser Dachverband hat (noch) nicht zugestimmt!
Weitere Infos, FAQ's, Links, Downloads etc.
Seit einigen Monaten liegen hochinteressante und zugleich erschreckende Studien vor, die sich mit populationsgenetischen und gesundheitlichen Problemen beim Toller beschäftigen.
Der TCD hat sich unmittelbar nach Vorliegen dieser Studien mit verschiedenen Wissenschaftlern und Experten in Verbindung gesetzt. Zudem haben wir Stellungnahmen zu diesen Studien angefordert und erhalten.
Unsere Philosophie ist es seit dem Gründungsgedanken, Zuchtpraxis und Wissenschaft zum Wohle der Rasse zu vereinen. Wir stehen für Transparenz in der Rassehundezucht und zu unseren Prinzipien.
Wir möchten Sie auf dieser Seite über die Studien und Stellungnahmen der Wissenschaftler und weltweit geschätzten Experten informieren und häufig gestellte Fragen kurz und übersichtlich beantworten.
Der Vorstand bedankt sich ganz herzlich bei allen Unterstützern und den Verfassern der wissenschaftlichen Stellungnahmen, für deren ehrenamtlichen Einsatz zum Wohle unserer Rasse.
Alexander Däuber
1. Vorsitzender
Heiko Gonglach
2. Vorsitzender
Hier in kurzer Abfolge die Kernaussagen der Experten:
A.Univ.Prof.Dr.Irene Sommerfeld-Stur:
Mitglied im veterinärmedizinischen Beirat des TCD
Dipl.Ing. Dr. rer.nat.tech. Hellmuth Wachtel:
Dr. Katariina Mäki:
Executive manager, Society for Canine Genetic Health and Ethics
Member, Scientific Breeding Commission of The Finnish Kennel Club
FAQ
Was ist ein Zuchtversuch?
In unserem Fall bedeutet Zuchtversuch, dass eine fremde Rasse eingekreuzt wird. Es handelt sich um ein Einkreuzungsprojekt, an dem nur ausgewählte Hunde teilnehmen. Ein solches Projekt wird streng überwacht und ist im kynologischen Sinne nur mit wissenschaftlicher Begleitung durchführbar.
Warum ist die Einkreuzung einer fremden Rasse beim Toller notwendig?
Wissenschaftliche Studien haben beim Toller folgendes ergeben:
- Der Toller ist genetisch stark verarmt.
- Das Inzuchtniveau liegt bei 26%. Um dieses enorm hohe Inzuchtniveau deutlicher darzustellen: Der durchschnittliche Verwandtschaftsgrad der Rasse liegt etwas höher über dem von Vollgeschwistern!
- Die effektive Zuchtpopulation liegt bei 18. Um das Überleben einer Population sicher zu stellen, sollte die effektive Population einen Umfang von mind. 50 haben.
- „Genetische Ausstattung“ an einem Beispiel: der Toller weist an einem bestimmten Genlocus nur 5 verschiedene Allele auf. Zum Vergleich: andere Rassen weisen am gleichen Genlocus 90 verschiedene Allele auf.
- Eine Stichprobe von insgesamt 176 Hunden ergab: es waren nur 78 gesunde Toller zu finden! IMRD trat bei 51 Tieren auf (=28,7%). SRMA trat bei 49 Tieren auf (=27,5%). Auftreten immunologische Erkrankungen insgesamt: 56,2%
Die überaus häufige Disposition für unterschiedliche Autoimmunerkrankungen (SRMA, IMRD, SLE und andere) weisen zudem einen sehr hohen Krankheitswert auf. Die beschriebenen gesundheitlichen Probleme treten in allen Linien auf – das erfahren Züchter, Welpenkäufer und vor allem die leidenden Hunde immer wieder!
Die gesundheitliche Situation lässt sich nur noch durch die Einkreuzung einer fremden Rasse verbessern (s. wissenschaftl. Studien/Stellungnahmen). Durch diese „Blutauffrischung“ wäre der Toller wieder genetisch besser „ausgestattet“ und somit widerstandsfähiger/ gesünder/ langlebiger.
Gibt es keine Alternative zum Zuchtversuch?
Nein. Bisherige Versuche von Vereinen/Züchtern, die Situation zu verbessern, waren nicht zielführend. Wissenschaftler bestätigen: Selbst ein weltweites Zuchtprogramm kann die gesundheitliche und genetische Situation nicht entscheidend verbessern, solange man sich weiterhin in der geschlossenen Tollerpopulation bewegt. Auch die neuesten molekulargenetischen Diagnostiken sind, aufgrund der erschöpften genetischen Varianz des Tollers, keine Alternative. Das wurde uns von wissenschaftlicher Seite ausdrücklich bestätigt.
Ist der Toller nach einer solchen Einkreuzung überhaupt noch ein Rassehund?
Sicherlich ist es so, dass zumindest ein Teil der Hunde in den ersten Generationen vom Tollertyp abweicht. Insbesondere das äußere Erscheinungsbild hat eine hohe Vererblichkeit, wodurch man innerhalb weniger Generationen im Rahmen der Rückzüchtung wieder absolut Toller-typische Hunde züchten kann. Das beweisen auch Beispiele zahlreicher Zuchtversuche, wonach bereits Hunde aus 2. Generation Shows gewinnen, Hunde aus 3. Generation Champion-Titel erhalten und somit dem Idealbild ihrer Rasse in besonderem Maße entsprechen!
Ziel ist nicht, eine andere Rasse zu züchten! Der Toller soll und wird in seinem gesamten phänotypischen Erscheinungsbild erhalten bleiben.
Gibt es schon Zuchtversuche von anderen Rassehundezuchtverbänden im VDH?
Ja. Zuchtversuche sind und waren schon immer ein probates Mittel in der Rassehundezucht.
Uns sind aktuell drei Zuchtversuche, mit unterschiedlichen Ansätzen, innerhalb des VDH bekannt:
Gibt es weitere Beispiele solcher Zuchtversuche?
Ja! In Finnland werden derzeit Deutsche Pinscher mit Schnauzer gekreuzt. Die Ergebnisse sind überragend! In der zweiten Generation wurden schon wieder Ausstellungserfolge erzielt, d.h. die Hunde entsprechen in vollem Maße dem Rasseideal! Man konnte durch diese Einkreuzung die gesundheitliche Situation als auch das Wesen beim Pinscher enorm verbessern:
Erste Generation
Zweite Generation
Dritte Generation
In England hat der Genetiker und Boxerzüchter Dr. B. Cattanach aufgrund des Kupierverbotes seine Boxer mit genetisch dominant schwanzlosen Pembroke Welsh Corgies gekreuzt. Auch er hatte nach wenigen Generationen absolut typische Boxer – eben mit Stummelrute:
Es gibt weitere zahlreiche Beispiele von Zuchtversuchen. Jedem näher Interessierten sei das Buch „Hundezucht 2000“ von Dr. Wachtel empfohlen.
Ist der Zuchtversuch schon endgültig beschlossen?
Nein. Die endgültige Entscheidung liegt beim VDH/TCD. Die notwendigen Unterlagen zum “Antrag auf Zuchtversuch” wurden an den VDH gesandt und werden dort von den zuständigen Fachgremien überprüft.
Muss jeder TCD-Züchter am Zuchtversuch teilnehmen?
Nein. Die Teilnahme ist freiwillig.
Für nicht beteiligte TCD-Züchter läuft der Zuchtablauf unverändert weiter.
Wie sieht das Projekt in der praktischen Umsetzung aus? Welche Rasse soll eingekreuzt werden?
Ein solches Einkreuzungsprojekt muss unbedingt wissenschaftlich begleitet werden. Dazu zählt selbstverständlich auch die strategische Ausarbeitung des Projektes. Es liegt noch keine Ausarbeitung bzgl. der Vorgehensweise vor. In den Stellungnahmen ist jedoch zum Teil grundsätzliches zur Vorgehensweise zu lesen.
Unterstützung wurde uns bereits von weltweit geschätzten Experten zugesichert: Dr. K. Mäki, Prof. Sommerfeld-Stur und Dr. H. Wachtel
Warum stehen einige Züchter solchen Einkreuzungsprojekten so kritisch gegenüber?
Die Gründe hierfür sind natürlich im Einzelfall recht unterschiedlich!
An dieser Stelle mögliche Gründe aufzuführen wäre Polemik.
Fakt ist jedoch, dass sich Genetiker und Experten für eine Einkreuzung aussprechen. Und das sollte der Maßstab sein!
Es ist die einzige Chance, die Situation beim Toller entscheidend zu verbessern!
Downloads:
Stellungnahme A.Univ.Prof.Dr.Irene Sommerfeld-Stur
nsdtr_stellungnahme.pdf - 35 kB
Statement A.Univ.Prof.Dr.Irene Sommerfeld-Stur (in Englisch)
statement.pdf - 77 kB
![[Keine Beschreibung eingegeben]](/files/englische_fahne.gif)
Stellungnahme Dipl.Ing. Dr. rer.nat.tech. Hellmuth Wachtel
tollereinkreuzungsfrage.pdf - 92 kB
Stellungnahme Dr. Katariina Mäki (in Englisch)
toller_statement.pdf - 44 kB
Genforschungstag Finnland
genforschungstag__finnland.pdf - 53 kB
Kommentar Mäki-Studie v. Dr. Wachtel



