Zucht
Der TCD e.V. ist der einzige deutsche Toller-Spezialzuchtverein – wir sind somit auf die Toller-Zucht spezialisiert!
Die Zucht unterliegt kynologisch sinnvollen Bestimmungen, welche in Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachtierärzten ausgearbeitet wurden. Diese Bestimmungen sind in unserer Zuchtordung verankert und für alle Züchter bindend.
Die Züchter unseres Vereins züchten äußerst verantwortungsbewusst – sie werden von Zuchtkommission und Zuchtwarten beraten und kontrolliert.
Erst wenn ein Toller verschiedene Voraussetzungen erfüllt, darf er in der Zucht eingesetzt werden. Dadurch sollen vitale, gesunde, wesenstarke und rassetypische Toller gezüchtet werden.
Unser Verein ist ein Garant für eine qualitätsbezogene Zucht, die den Welpenkäufern bei TCD-Züchtern zugute kommen soll.
In unserer Züchterliste finden sie sicherlich den passenden Züchter. Nehmen Sie am besten Kontakt zu verschiedenen Züchtern auf – wenn Sie Fragen haben, helfen wir Ihnen gerne weiter.
Auf unserer Homepage erhalten Sie auch Informationen über Wurfplanungen.
Eine der wichtigsten Säulen eines Rassehundeverbandes ist die Zucht! Die Zucht und die Zuchtordnung bestimmen maßgebend und richtungsweisend die Rasseentwicklung. Deswegen sieht sich unser Verband ganz klar in der Verantwortung eine Zuchtordnung vorzugeben, die ausschließlich dem Wohle der Rasse dient!
Wir sind stolz darauf, dass uns bei diesem komplexen und äußerst wichtigen Thema Fachtierärzte und Experten zur Seite stehen!
Mit deren Unterstützung konnte eine rassespezifische und wissenschaftlich fundierte Zuchtordnung entworfen werden. Gemäß unserer Vereinsphilosophie verbinden wir Zuchtpraxis und Wissenschaft.
Ansprechpartner unseres veterinärmedizinischen Beirats, mit denen wir in den jeweiligen Fachbereichen zusammenarbeiten:
- Brahm, Rolf, Dr. med. vet., Fachtierarzt f. Kleintiere und Augenheilkunde, 1. Vorsitzender des DOK
- Feddersen-Petersen, Dorit Urd, Dr. med. vet., Fachtierärztin f. Verhaltenskunde u. Tierschutzkunde (Zoologisches Institut Haustierkunde, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)
- Kaspers, Bernd, Prof. Dr. med. vet., Fachtierarzt für Physiologie, Fachtierarzt für Immunologie (Veterinärwissenschaftliches Department, Institut für Tierphysiologie, LMU München)
- Kohn, Barbara, Dr. Med. Vet. Dipl. ECVIM-CA, Fachtierarzt für Kleintiere (Fachbereich Veterinärmedizin / Klinik und Poliklinik für kleine Haustiere, Freie Universität Berlin)
- Lohi, Hannes, PhD, Docent, Professor of veterinary molecular genetics (Biomedicum Helsinki, Department of Medical Genetics, Department of Basic Veterinary Sciences, Folkhälsan Institute of Genetics and University of Helsinki)
- Mäki, Katariina, Dr., Executive manager, Society for Canine Genetic Health and Ethics Member, Scientific Breeding Commission of The Finnish Kennel Club
- Reese, Sven, Dr. med. vet., Fachtierarzt für Anatomie, Fachtierarzt für Informationstechnologie (Institut für Tieranatomie, Tierärztliche Fakultät der LMU München)
- Schäfer-Somi, Sabine, A. Univ. Prof. Dr. med. vet. Dipl.ECAR (Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie, Veterinärmedizinische Universität Wien)
- Sommerfeld-Stur, Irene, A. Univ. Prof. Doz. Dr. med. vet. (Department für Tierzucht und Reproduktion, Institut für Tierzucht und Genetik, Veterinärmedizinische Universität Wien)
- Tellhelm, Bernd, Dr. med. vet. Dipl. ECVDI, Fachtierarzt für Chirurgie (Klinik für Kleintiere – Innere Medizin und Chirurgie, Justus-Liebig-Universität Gießen)
- Tipold, Andrea, Prof. Dr. med. vet. Dipl.ECVN, Fachtierärztin für Veterinärneurologie (Klinik für Kleintiere, Fachbereich Neurologie, Tierärztliche Hochschule Hannover)
- Wachtel, Hellmuth, Dipl.Ing. Dr. rer.nat.tech.
- Wess, Gerhard, Dr. med. vet., Dipl. ECVIM-CA (Internal Medicine), Dipl. ECVIM-CA (Cardiology), Dipl. ACVIM (Cardiology), (Leiter Abteilung für Kardiologie, Medizinische Kleintierklinik der Universität München)
Grundlage ist die Erhaltung und Festigung des Tollers in seinem Wesen, seiner Apportieranlagen sowie anderweitiger rassetypischer Brauchbarkeit, seiner Konstitution und seinem Erscheinungsbild.
Dabei gilt es Krankheiten zu bekämpfen, die guten Anlagen und Eigenschaften dieser Rasse zu fördern und aus ihnen einen leistungsfähigen Stamm von vielseitig einsetzbaren Familien-, Begleit- und Apportierhunden, unter Beachtung aktueller kynologischer Erkenntnisse, zu züchten.
Als Rassehundezuchtverein, der sich auch insbesondere durch diese Regelung zur Zusammenarbeit mit Fachtierärzten, Wissenschaftlern und Fachleuten verpflichtet, haben wir hiermit unsere Leitlinien und Grundsätze moderner, tierschutzethischer und kynologisch versierter Rassehundezucht klar definiert und in unseren Regelwerken verankert.
Der TCD steht für Offenheit und Transparenz in der Rassehundezucht. Wir machen es zu unserer Aufgabe, eine komplexe Datensammlung von möglichst allen in Deutschland lebenden Tollern zu erstellen. Unser Verein sieht sich in der Verantwortung, Daten (Abstammung, Nachkommen, Gesundheitsergebnisse, erreichtes Lebensalter/ Todesursache etc.) zu sammeln, um diese in Zusammenarbeit mit Fachtierärzten und Experten zu analysieren. Auf diese Weise können schließlich gezielte Zuchtmaßnahmen zur Bekämpfung erblicher Defekte eingeleitet werden.
Ein züchterischer Fortschritt kann jedoch nur erzielt werden, wenn die entsprechenden Daten an den Verein weitergeleitet werden!
Mit der von uns eingeführten Erb-Vital-Untersuchung verfügt der TCD über ein Gesundheitsmanagement für den vitalen & erbgesunden Toller.
Durch unsere Zuchtkommission und unsere Zuchtwarte bieten wir unseren Züchtern eine bestmögliche Beratung und Betreuung.
Wir möchten Ihnen im Folgenden einige maßgebende Punkte unserer Zuchtordnung erläutern:
Zuchtalter
Das Mindestalter bei Rüden und Hündinnen liegt bei 24 Monaten. Dadurch werden reproduktionsmedizinische und populationsgenetische Aspekte berücksichtigt.
Für einen erstmaligen Zuchteinsatz darf eine Hündin nicht älter als 5 Jahre sein, da bei Erstgebärenden mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit von Geburtsproblemen und somit das Gesundheitsrisiko für Hündin und Welpen steigt.
Zum Höchstalter der Zuchttiere: aus populationsgenetischer Sicht gibt es kein Höchstalter. Im Gegenteil: je älter ein Hund ist, desto mehr weiß man über ihn. Gerade in Bezug auf Krankheiten mit Manifestation im späteren Lebensalter ist eine ältere gesunde Zuchthündin (bzw. Zuchtrüde) als wertvoll für die Population zu betrachten. D.h., dass es zumindest für Rüden keine Höchstgrenze gibt! Aus reproduktionsmedizinischer Sicht ist es jedoch bei Hündinnen, die älter als 8 Jahre sind (bzw. schon 4 Würfe großgezogen haben) unerlässlich, die Zuchtbewilligung an ein tierärztliches Gesundheitszeugnis zu binden. Zu berücksichtigen sind in solchen Fällen auch immer die Ergebnisse der Nachzucht. Die obere Altersgrenze von 8 Jahren (Hündin) darf also nur unter Erfüllung der genannten Bedingungen überschritten werden.
Anzahl der Würfe einer Hündin
Eine Hündin sollte in ihrem Leben nicht mehr als maximal 5 Würfe großziehen. Auch hier ist die Zuchtbewilligung des 5. (und somit letzten) Wurfes an ein tierärztliches Gesundheitszeugnis zu binden. Zu berücksichtigen sind in solchen Fällen auch immer die Ergebnisse der Nachzucht. Wenn demnach die Hündin zur positiven Rasseentwicklung beitragen kann und auch aus tierärztlicher Sicht nichts dagegen spricht, kann von der Zuchtkommission eine Ausnahmebewilligung erteilt werden.
Eine Hündin darf nur belegt werden, wenn sie sich in guter körperlicher Verfassung befindet, bzw. wenn sie nach ausgetragenem Wurf ihre körperliche Fitness wiedererlangt hat.
Anzahl der Würfe eines Rüden
Eine Decksprung-Limitierung für Rüden ist äußerst sinnvoll. In der Realität zeigt es sich immer wieder, dass sich viele Züchter auf den ein und selben Rüden stürzen (z.B. Champion-Rüde). Dieser sogenannte „popular sire effect“ führt oft dazu, dass sich der Genpool verkleinert. Und das kann gerade bei Rassen mit geringer Population (wie beim Toller) zu erheblichen Problemen führen! Selbst bei Rassen mit weit über 1000 Welpen pro Jahr und einer sehr großen Population beobachten wir teilweise einen verhältnismäßig kleinen Genpool.
Die Limitierung des Deckeinsatzes soll weiterhin verhindern, dass Rüden, deren Erbpotential noch nicht an der Nachzucht überprüft wurde, von Beginn an überhäuft eingesetzt werden und somit der Gesamtpopulation schaden könnten.
Die genetische Variabilität und die Gesundheit unserer Rasse möchten wir somit auch durch eine Decksprung-Limitierung für Rüden fördern. Demnach dürfen deutsche und ausländische Rüden max. 2 Würfe pro Jahr innerhalb des TCD produzieren. Da sich die Zahl der Würfe eines Rüden auch an seiner züchterischen Qualität orientieren muss, wird aus wissenschaftlicher Sicht weiterhin ein dynamischer Prozess empfohlen. D.h., dass einem Rüden bei hervorragender Qualität seiner Nachzucht auch weitere Decksprünge erlaubt werden können!
Die Zahl der zulässigen Deckungen richtet sich natürlich auch nach dem Angebot an für die Zucht grundsätzlich tauglichen Rüden. Weiter ist hier insbesondere beim Deckeinsatz älterer Rüden zu berücksichtigen, ob bzw. wie viele seiner Nachkommen in die Zucht gegangen sind. Wenn es sich z.B. um einen Rüden mit guter züchterischer Qualität handelt von dem aber bislang keine Nachkommen in der Zucht eingesetzt worden sind, wäre ein weiterer Zuchteinsatz sogar sehr sinnvoll, während bei einem gleichguten Rüden, von dem aber mehrere Nachkommen im Zuchteinsatz sind ein weiterer Zuchteinsatz weniger wichtig bzw. sinnvoll ist.
Aus den benannten Gründen sind die Deckrüdenbesitzer im TCD angehalten, auch bei Deckeinsätzen im Ausland, einen Rüden kontrolliert einzusetzen und generell die 2-jährige Entwicklung der ersten 3 (4) Würfe abzuwarten, bevor der Rüde weiter in der Zucht eingesetzt wird. Durch diese Regelung muss sich der Rüde zuerst als guter Vererber beweisen, bevor ein weiterer Zuchteinsatz erfolgt.
Gesundheitsuntersuchungen
Grundsätzlich ist zu sagen, dass je nach Erkrankung innerhalb der Population bestimmte Untersuchungen durchgeführt werden sollen. Ist ein Toller mit einem bestimmten Problem belastet (z.B. PRCD „C“), ist darauf zu achten, dass der Deckpartner dieses Problem nicht aufzeigt (bezogen auf den eben genannten Fall: PRCD „A“).
HD / ED
Alle zur Zucht eingesetzten Hunde müssen auf HD und ED untersucht sein (bei ausländischen Rüden kann bezogen auf die ED eine Ausnahme erteilt werden). Ein Hund mit dem Befund HD „C“ darf nur mit einem Hund mit dem Befund HD „A“ verpaart werden. Ähnliches gilt für ED: ED „Grenzfall“ / ED „1“darf nur mit ED „0“ verpaart werden. Hier ist auch immer darauf zu achten, dass nicht nur der Deckpartner selbst einen „einwandfreien“ Befund hat, sondern auch in dessen Verwandtschaft dieses spezielle Problem keine Belastung darstellt.
Herr Dr. Tellhelm (Gießen) wertet die eingehenden Röntgenbilder aus.
Augenerkrankungen
Dr. Brahm steht uns als Vorsitzender des DOK (Gesellschaft für Diagnostik genetisch bedingter Augenerkrankungen bei Tieren) zusammen mit der Genetikerin Prof. Sommerfeld-Stur für diesen Komplex zur Seite.
Verpflichtend für unsere Zuchthunde ist eine jährliche manuelle Augenuntersuchung bei einem DOK-Mitglied.
Durch die Verfügbarkeit von mutationsbasierten Gentests (derzeit PRA und CEA) ist es möglich, Merkmalsträger trotzdem in der Zucht einzusetzen, insofern sie mit einem homozygot freien Hund verpaart werden.
Für PRA und CEA gilt, dass zumindest ein Elternteil einen „A“ –Befund (frei) nachweisen muss.
Verhaltensbeurteilung
Das Wesen ist eine sehr komplexe Sache, welches weder einfach zu erfassen ist, noch einem einfachen Erbgang folgt.
In Zusammenarbeit mit Frau Dr. Feddersen-Petersen und Frau Prof. Sommerfeld-Stur wurde dieser spezielle Teil in unserer Phänotyp-Beurteilung (PB) ausgearbeitet.
Ziel der Verhaltensbeurteilung im Rahmen der PB ist es, nur mit Hunden zu züchten, die sozial sicher sind, ein ungestörtes Sozialverhalten Artgenossen und Menschen gegenüber zeigen und weder Ausfälle einerseits noch Übersteigerungen andererseits im Bereich bestimmter Funktionskreise aufweisen. Hunde, die während der PB Zeichen von Aggression oder extremer Ängstlichkeit zeigen, oder in bestimmten Situationen deutlich negativ auffallen, werden von der Zucht ausgeschlossen.
Die Beurteilung des beobachtbaren Hundeverhaltens ist Gegenstand der PB – nicht die völlig irreale Trennung dieses Verhaltens in genetisch bedingte und erfahrungsbedingte Anteile. Dabei gilt es, die Angepasstheit, Anpassungsfähigkeit und die individuelle Reaktion des Hundes an normalen Umweltgegebenheiten und natürlichen und alltäglichen Reizen möglichst objektiv zu überprüfen (Alltagssituationen, wie z.B. Verhalten gegenüber fremden Menschen und Artgenossen). Während der PB darf kein Hund einem „Reizgewitter“ ausgesetzt werden – jegliche Überprüfungen müssen in unbedrohlicher Situation mit Realitätsbezug ablaufen.
Formwertbeurteilung und Phänotyp-Beurteilung (PB)
Nach unserer Auffassung geht es bei Ausstellungen nicht nur um Schönheitskonkurrenzen, wenngleich dieser Wettkampfcharakter für viele Aussteller ein zusätzlicher Anreiz darstellt. Bei der Formwertbeurteilung sollen auch vor allem Fehler erkannt werden, die die Funktionalität des Hundes beeinträchtigen und krankheitsauslösend sind (z.B. zu stark oder zu schwach gewinkelte Gelenke, Durchtrittigkeit, Fehler in der Rückenlinie wie Senkrücken/ Karpfenrücken etc.).
Hunde, die mehrfach auf Zuchtschauen prämiert wurden, scheinen für die Zucht besonders gut geeignet zu sein. Dies muss aber selbstverständlich nicht automatisch so sein – denkt man beispielsweise an den Champion, der aufgrund einer mittleren HD (oder einer sonstigen Erkrankung) keine Zuchtzulassung erhält.
Aufgrund dessen unterscheidet der TCD zwischen Ausstellung und Phänotyp-Beurteilung, wobei die PB über eine reine Formwertbeurteilung hinausgeht.
Zweck der Phänotyp-Beurteilung ist es, nur dem Standard entsprechende und gesunde Toller zur Zuchtverwendung zuzulassen, die sozial sicher sind, ein ungestörtes Sozialverhalten Artgenossen und Menschen gegenüber zeigen und weder Ausfälle einerseits noch Übersteigerungen andererseits im Bereich bestimmter Funktionskreise aufweisen.
Es sollte möglichst jeder in Deutschland lebende Toller, der im TCD zur Zucht eingesetzt wird, eine PB nachweisen. Auch die Teilnahme von nicht zur Zucht eingesetzten Tollern an der PB hat einen hohen züchterischen Wert (Überprüfung von Nachkommen etc.).
Bei der PB gibt es keine Platzierungen, wodurch jeglicher Wettkampf- und Konkurrenzcharakter aufgehoben ist.
